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DIE BILDER SIND ERWACHSEN GEWORDEN, DIE WELT HOLT SIE ZURÜCK. MANCHE MÜSSEN IHRE GESCHICHTE WECHSELN. ALTE BILDER GEFALLEN MIR NICHT MEHR. ALSO AB IN DEN MÜLL? NIEMALS! Früher brauchte ich Begrenzungen. Heute interessiert mich das Fliessende. Deshalb verändere ich alte Bilder – nicht ihre Seele, sondern ihre Sprache. DAS SIEHT AUS WIE EIN ARSCH! Ein einziger Satz hat dieses Gemälde komplett verändert. Manchmal zerstört ein fremder Blick ein Bild. Manchmal befreit er es. Ein Bild darf sich verändern. Genau wie der Mensch, der es geschaffen hat. Als ich dieses Bild malte, hatte ich das Gefühl, vor einem Tor zu stehen. Dahinter lag für mich die abstrakte Malerei. Ich wollte lernen, mit weniger mehr zu sagen. Ruhiger zu werden – in meinen Bildern und auch in meinen Worten. Heute sehe ich dieses Tor anders. Ich muss nirgendwo mehr eintreten. Ich bin längst unterwegs. Deshalb durfte sich auch dieses Bild verändern. Heute heisst es GEFALLENER IKARUS. Nicht, weil er gescheitert ist. Sondern, weil er nach dem Sturz etwas begriffen hat. Rückblickend bin ich dieser Bemerkung sogar dankbar. Sie hat mich gezwungen, meinen eigenen Blick zu hinterfragen. Ohne diesen Moment gäbe es GEFALLENER IKARUS vielleicht nicht. Und eines ist mir wichtig: Ich übermale meine alten Bilder nicht, weil sie schlecht sind. Ich übermale sie, weil ich nicht mehr dieselbe Künstlerin bin. ICH HABE MIR DEN HIMMEL ZU FÜSSEN GEHOLT… Ich zerstöre mein eigenes Bild. Zumindest scheint es so. Unter diesem Bild lebt noch das ursprüngliche. Genauso wie meine Erfahrungen unter jedem neuen Werk weiterleben. Nichts wird ausgelöscht. Es verändert nur seine Form. Sicher habe auch dieses Bild einmal eine Geschichte. Heute kann ich mich nicht mehr an Sie erinnern. Was mir jedoch klar geworden ist: Dieses Bild stimmte für mich nicht mehr. Nicht nur, weil ich den ursprünglichen Impuls vergessen habe, sondern weil die Komposition nicht mehr meiner heutigen Wahrnehmung entsprach. Geblieben sind die Farben. Die Bearbeitung war keine kosmetische Korrektur. Mit der bewussten Drehung um 180 Grad veränderte sich die gesamte Erfahrung des Bildes. Der Raum öffnet sich, statt zu drücken. Oben links entsteht eine kaum sichtbare Geste – als läge hinter der sichtbaren Ebene noch etwas Verborgenes. Der Betrachter muss nicht wissen, dass der Himmel heute unten liegt. Vielleicht spürt er dennoch, dass sich etwas öffnet. Dass Licht stärker sein kann als Schwere. Dass das Bild nach oben führt, obwohl es fest im Boden verankert bleibt. Und dass hinter der dunklen Form etwas Helles wartet. Der Titel OMEN versteht sich nicht als Warnung, sondern als gutes Zeichen – als Hinweis darauf, dass sich etwas zum Guten wenden kann. Goldgelb, Orange und Rot tragen diese Stimmung von Wärme, Hoffnung und Aufbruch. Ich möchte keine spirituellen Versprechen machen. Es geht weder um Erleuchtung noch um Manifestation oder esoterische Symbolik. Meine Bilder entstehen aus gelebter Erfahrung. Für mich bedeutet Umkehr eine veränderte Lebenshaltung: den Blickwinkel wechseln, dem Schweren seine Macht nehmen und dem Leben wieder Raum geben – einen Raum, in dem Kraft weich sein darf und Hoffnung sichtbar wird. Ich habe mir den Himmel zu Füssen geholt, und der Raum öffnete sich wie eine Kelchblüte. Mich interessiert nicht der Durchbruch mit Gewalt, sondern jener stille Augenblick, in dem das Schwere seinen Platz verliert und das Licht Raum gewinnt. Davon erzählen meine Arbeiten: von einer existenziellen Umkehr – leise, offen und ohne Pathos. ICH LÖSCHE MEINE VERGANGENHEIT NICHT AUS. ICH BAUE AUF IHR AUF. Im alten Bild erscheint eine künstlich geordnete Welt: oben Licht, unten Erde, dazwischen eine harte Trennung. Die Farbflächen stehen nicht wirklich in Beziehung zueinander, sondern scheinen übereinandergeschichtet, wie auf Abstand gehalten. Das Bild wirkt geschlossen, aber nicht lebendig. Diese Ordnung hat etwas Gemachtes, fast Gewaltsames. Als wäre eine Wahrheit überdeckt worden, damit das Bild zusammenhält. Doch genau diese scheinbare Stabilität beginnt mit der Zeit zu bröckeln. Was zunächst als Komposition funktioniert, fühlt sich plötzlich fremd an. Die Form bleibt, aber sie trägt nicht mehr. In der Übermalung wird diese Fremdheit nicht versteckt, sondern sichtbar gemacht. Die helle Fläche mit dem Schriftzug. MEIN STEIN. wirkt wie ein Einspruch gegen das Alte, aber auch wie eine Aufforderung an sich selbst. Der STEIN DES ANSTOSSES. wird zum Auslöser der Veränderung. Nicht als dekoratives Zeichen, sondern als Störung, die notwendig war. So entsteht aus dem alten Bild kein einfaches übermalen, sondern eine Korrektur der inneren Wahrheit. Das Neue widerspricht dem scheinbar Harmonischen und macht gerade dadurch das Eigene sichtbarer. Die Arbeit ist abgeschlossen. Die alte Gefühlswelt auch. Es war, als hätte ich Stein für Stein etwas Unsichtbares abgetragen und die strenge Mauer durchbrochen, die mich so lange beengt hat. Rückblickend war es vor allem Ruhe. Nichts Spektakuläres, und doch etwas sehr Echtes. Ich habe mich selbst herausgefordert, und das war gut so. Trotz der intensiven Farben Rot, Orange und Schwarz sind die Bilder weich geworden. Sie tun den Augen nicht mehr weh. Wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest – und vielleicht etwas ganz anderes darin entdeckst – findest du meine Werke im Restaurant ROTER STEIN in Zürich-Altstetten. Und ja. Sie dürfen auch mit nach Hause genommen werden.


  • Datum:08.10.2026 13:12 - 08.10.2026 13:12
  • Ort Restaurant ROTER STEIN Altstätten ZH (Karte)