GESICHTER ERZÄHLEN GESCHICHTE In dieser Ausstellung, unter dem Titel «GESICHTER ERZÄHLEN GESCHICHTE» wird das Porträt nicht nur als Abbild des Gesichts, sondern als lebendige Landschaft des gelebten Lebens verstanden, wo jedes Portrait eine Geschichte erzählt, die tief im Inneren verwurzelt ist. Sie zeigt Männer, die mit der Zeit zu interessanten Persönlichkeiten heranreifen, ihr Alter wird als Zeichen von Erfahrung, Anziehungskraft und Schönheit anerkannt, als ob das Leben sie veredelt und zu fesselnden Charakteren formt. Im Gegensatz dazu werden Frauen mit einem anderen Blick betrachtet, ihre natürliche Schönheit wird selten im Alter anerkannt, und der gesellschaftliche Druck führt dazu, dass sie als «alt» abgestempelt werden. Jedes Porträt ist eine Einladung, die Perspektiven zu wechseln und das Verständnis von Alter, Schönheit und Identität erneut zu hinterfragen. SELBSTPORTRÄTS ALS KOMMUNIKATIONSMITTEL: In meiner künstlerischen Arbeit habe ich mich über die Jahre intensiv mit Selbstporträts beschäftigt. Diese Werke dienen mir als Ausdrucksform, um das Spannungsfeld zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich vor mir selbst zu verbergen versuche, zu erkunden. Es ist wichtig zu betonen, dass Selbstporträts nichts mit Eitelkeit zu tun haben. Aus der Kunstgeschichte wissen wir, dass sich Künstler selten mit einem Lächeln im Selbstporträt darstellen. Die Werke der alten Meister blicken uns ernst und direkt an. Das erste Kunstwerk eines Kindes dagegen ist oft ein Versuch, das Gesicht zu zeichnen, ein sogenannter KOPFFÜSSLER. Diese frühen Darstellungen, die typischerweise ab einem Alter von drei bis vier Jahren entstehen, bestehen aus einem Kreis für den Kopf (mit zwei Punkten für Augen und einen gebogenen oder geraden Strich für der Mund) und Strichlinien für Arme und Beine, wobei der Rumpf oft fehlt. Dies zeigt, dass nicht nur Kinder, sondern auch wir erwachsene zunächst den Körper visuell scannen, während wir das Gesicht bewusst wahrnehmen. Ist es fröhlich, traurig oder liebevoll? Diese Emotionen sprechen uns an, egal in welchem Alter wir sind; sie sind immer im Moment des Entstehens des Bildes präsent. Die im Laufe des Lebens entstandenen Selbstporträts sind nicht nur als Dokumente eines Dialogs mit uns selbst. Sie spiegeln die Transformation durch den Alterungsprozess wider, während die Augen und der Blick oft unverändert bleiben. Aus der Distanz können wir erkennen, was wir einst erlebt, gefühlt und gedacht haben. Unser Gesicht erzählt uns über die innere emotionale Welt, die wir unbewusst herausgeholt haben. DIE IDEE EINER RETROSPEKTIVE: Ich halte es für spannend, eine Retrospektive zu schaffen, die ausschließlich aus den vielen Selbstporträts besteht, die ich im Laufe meines Lebens gemalt, gezeichnet oder fotografiert habe. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen gemalten Selbstporträts und fotografischen Selfies: Beim Malen führt das Unterbewusstsein die Hand, während beim Fotografieren das Bewusstsein die Regie übernimmt. Ich weiß genau, wie ich mich vor der Kamera positionieren kann, welche meine besten Gesichtszüge sind und wie ich lächeln soll. Diese Inszenierungen sind in gewisser Weise künstlich-künstlerische Fiktionen, die bereits existierten, bevor die KI Einzug hielt. VIELFALT DER PORTRÄTS: In meiner Ausstellung präsentiere ich eine Vielzahl von Techniken, sowohl in gemalten als auch in fotografierten Porträts. Diese Werke zeigen nicht nur meine Freunde, sondern auch bekannte Persönlichkeiten, deren Gesichter und Facetten eine besondere Faszination auf mich ausgeübt haben. Mein Ziel ist es, möglichst realistisch zu bleiben und gleichzeitig eine versteckte Symbolik zu integrieren, die das Wesen der abgebildeten Personen offenbart. Das Gesicht spricht mich durch die, in Falten eingemeisselt innere Ruhe einer Person, die mich berührt, an. Selbstverständlich beeinflusst durch meine eigene Wahrnehmung, das Denken und Empfinden und die Welt, in der ich mich befinde, wie ich diese Gesichter sehe und zeichnerisch interpretiere.