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Fotografie ist wie ein Erbe, das in einem festgehaltenen Testament bewahrt wird: Sie materialisiert und konserviert das, was im Begriff ist, zu verschwinden. Eine Momentaufnahme, die zeigt nicht nur, was einmal war, sondern lässt auch das Unsichtbare nachwirken. Eine Nähe, die längst vergangen ist, bleibt bestehen – wie die Stille, die zwischen Licht und Schatten atmet. Meine Bilder tragen eine Aura, nicht weil sie alles konkret zeigen, sondern weil sie etwas verbergen. Etwas, das jenseits des Sichtbaren liegt, zart und scheu. Es ist, als würde sich ein Gefühl einschreiben, das nicht in Worte gefasst werden kann. Manchmal, beim Betrachten, geschieht es, dass ein solches Bild zu uns spricht – mit einer Klarheit, die etwas in uns berührt. Etwas, das uns leise daran erinnert, dass wir verbunden sind, auch mit dem, was längst fort ist… Die hier gezeigten Bilder sind eine Reportage des bekanntesten Balletts «SCHWANENSEE», das 2018 unter der Choreografie von Heinz Spöri am Opernhaus aufgeführt wurde. Als Fotografin des Tages-Anzeigers hatte ich das Glück, zusammen mit anderen akkreditierten Fotografen an der Vorpremiere teilzunehmen. «SCHWANENSEE», das weltberühmte Ballett von Pjotr Tschaikowski, ist ein ikonisches Werk des klassischen Repertoires, das die Geschichte von Prinzessin Odette erzählt, die in einen Schwan verwandelt wurde und nur durch wahre Liebe erlöst werden kann. Es ist ein romantisches Märchen, eine Erzählung über die Macht der Liebe. Die Inszenierung ist ebenso märchenhaft wie die Geschichte und die Musik, die sie begleitet. Die Tänzerinnen tanzen nicht einfach; ihre grazilen Körper schweben wie Federn in die Ferne. Sie bewegen sich mit einer Leichtigkeit, hauchen lautlos vorbei, um sich in der Unschärfe der Bewegung aufzulösen, um wieder zu erscheinen. Es ist eine wunderbare Illusion der Magie, ein Zauber der Vorstellungskraft, den ich genauso festhalten möchte, denn ich sehe es wirklich. Ich verlasse mich nicht auf technische Vorgaben, wie das Vorprogrammieren meiner Nikon für scharfe Aufnahmen – das überlasse ich anderen. Stattdessen setze ich auf Automatik und Zufall, auf Elemente, die ich nicht kontrollieren kann, sondern nur erahnen, um die Geschichte, die ich festhalten möchte, zu erzählen: Der atmosphärisch transparente Tanz, wie ein Schleier im Wind und ein Hauch der Bewegung - bleibt nicht nur in meiner Erinnerung, sondern wird für immer so festgehalten, wie ich es mir gewünscht habe. Und erneut sage ich: Was für ein Glück…


  • Datum:31.01.2026 18:36 - 05.10.2026 18:36
  • Ort Galerie Kunstzürichsüd (Karte)
  • Weitere Informationen:Zürichstrasse 1, 8134 Adliswil